Herbstlese Brüssel – Literatur aus Baden-Württemberg
Literatur, die Welten öffnet: Hannah Häffner bei der HerbstLese in Brüssel
Erstellt am 22.10.2026
Der Börsenverein präsentiert mit der Wanderausstellung „Von hier für alle“ erstmals wieder Bücher aus und über den Südwesten in der Baden-Württembergischen Landesvertretung in Brüssel. Zum Eröffnungsabend mit der Autorin Hannah Häffner am 20. Oktober setzte der Landesvorsitzende Thomas Lindemann kulturpolitische Impulse und führte ein intensives Gespräch mit der Autorin des „Lieblingsbuchs der Unabhängigen 2026“.
Brüssel, 20. Oktober 2026 – Ein Roman über drei Generationen von Frauen, die Kraft der Literatur und die Bedeutung des geschriebenen Wortes für Demokratie und gesellschaftliche Teilhabe: Bei der HerbstLese des Börsenvereins Baden-Württemberg in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union in Brüssel stand in diesem Jahr die Autorin Hannah Häffner mit ihrem viel beachteten Roman „Die Riesinnen“ im Mittelpunkt. Thomas Lindemann, Vorsitzender des Börsenvereins Baden-Württemberg, hielt eine Rede mit kulturpolitischen Apellen und führte durch einen unterhaltsamen und inspirierenden Abend mit der Autorin Hannah Häffner. Die vollständige Rede von Thomas Lindemann finden Sie hier.
Mit „Die Riesinnen“ präsentierte sich ein Roman, der seit seinem Erscheinen im Frühjahr auf der Bestsellerliste steht und zum „Lieblingsbuch der Unabhängigen 2026“ gewählt wurde. Der Roman führt in das fiktive Schwarzwalddorf Wittenmoos. Die auffällige Größe der drei Protagonistinnen wird dabei zum Sinnbild für ihre Andersartigkeit und ihre Stärke. Die Geschichte des badischen Widerstands gegen den geplanten Bau eines Kernkraftwerks in Wyhl am Kaiserstuhl spielt im Roman eine tragende Rolle.
Lindemann schlug in seiner Einführung eine Brücke zwischen diesem Kapitel baden-württembergischer Geschichte und den Frauenfiguren des Buches. Er verwies darauf, dass Lesen und Literatur Zugänge zu anderen Lebenswelten schaffe, Empathie ermögliche und Erfahrungen für kommende Generationen festhielte. Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen und internationaler Krisen sei das geschriebene Wort unverzichtbar. Angesichts der erschreckenden PISA-Ergebnisse hob er die Bedeutung der Leseförderung hervor und unterstrich, dass Lesekompetenz eine wesentliche Voraussetzung für Bildung, Selbstbestimmung und demokratische Teilhabe sei.
Zugleich brachte er die Perspektive der Buchbranche in die europäische Debatte ein. Kleine und mittlere Verlage, Buchhandlungen und Druckereien dürften durch gut gemeinte europäische Regelungen nicht mit unverhältnismäßigen bürokratischen Pflichten belastet werden. Lindemann sprach sich für sorgfältige Folgenabschätzungen, praktikable Übergangsfristen und Rahmenbedingungen aus, die auch kleinere Unternehmen berücksichtigen. Mit Blick auf den Einsatz künstlicher Intelligenz forderte er Transparenz bei Trainingsdaten und einen wirksamen Schutz des Urheberrechts. Die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien entscheidend dafür, dass Literatur auch künftig entstehen und ihre Leserinnen und Leser erreichen könne.
Die Wanderausstellung „Von hier für alle – Bücher aus und über Baden-Württemberg“ ist nach mehreren Jahren erstmals wieder in Brüssel zu sehen. Rund 400 ausgewählte Titel aus und über Baden-Württemberg, überwiegend aus kleinen und mittleren Verlagen, geben Einblick in die literarische Vielfalt des Landes. Die gemeinsam mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg getragene Ausstellung macht regionale Literatur sichtbar und lädt dazu ein, neue Stimmen und Perspektiven zu entdecken. Sie bleibt bis zum 27. November 2026 in der Landesvertretung zu sehen.
Die HerbstLese knüpft an eine seit 2019 bestehende Veranstaltungsreihe u.a. mit Anna Katharina Hahn, Iris Wolff, Rainer Moritz, Thomas C. Breuer und Jörg Bong. Was einst als Alternative zu der aus Kostengründen eingestellten Buchausstellung entstanden war, hat sich zu einem festen Treffpunkt für Literaturinteressierte in Brüssel entwickelt. Umso schöner, dass nun Ausstellung und Autorenabend miteinander verbunden werden konnte: Der Abend mit Hannah Häffner zeigte einmal mehr, wie Literatur Menschen über Grenzen hinweg miteinander ins Gespräch bringt.
Zum Abschluss dankte Lindemann der Landesvertretung Baden-Württemberg für ihre Gastfreundschaft, allen Beteiligten für die Organisation sowie der Gutenberg Buchhandlung aus Brüssel, die den Gästen die Möglichkeit bot, „Die Riesinnen“ zu erwerben und von der Autorin signieren zu lassen.